"INPUT UND INSPIRATION"

- Bettina Ramseier (Foto: Stefan Hopf)
Interview mit Bettina Ramseier vom 19.02.2008
Bettina Ramseier, 28, studiert seit Oktober 2008 an der Leipzig School of Media den Masterstudiengang „New Media Journalism“. Die gebürtige Schweizerin arbeitet als TV-Journalistin für TeleZüri. Bis 2004 studierte sie „Wirtschaftsjournalismus und Unternehmenskommunikation“ an der Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften.
Frau Ramseier, was hat Sie am Studiengang „New Media Journalism“ besonders gereizt?
Sicherlich die internationale Ausrichtung. Das war mit ausschlaggebend: dass man mit Dozenten und Mitstudierende aus verschiedenen Ländern arbeitet und die Märkte und Entwicklungen auch über Landesgrenzen hinweg beobachtet.
Inwiefern sehen Sie das Masterstudium als sinnvolle Ergänzung zu Ihrer Tätigkeit als TV-Journalistin?
Es stand für mich keine taktische Karriereplanung dahinter. Es war das reine Interesse, etwas Neues zu lernen, neue Inputs zu bekommen, den eigenen Horizont zu erweitern. Im Fernsehbereich sind die Möglichkeiten begrenzt, gerade in der Schweiz ist der Markt sehr klein. Ich war schon sehr früh fokussiert aufs Fernsehen, wusste aber nicht, ob mir nicht etwas anderes entgangen ist, was auch spannend sein könnte.
Wie würden Sie im Vergleich zu Ihrem Bachelorstudium in Zürich und Berlin die heutige Studiensituation an der LSM beschreiben?
Es ist anstrengender, mit dem Job daneben – ganz klar. Aber dafür ist das Verständnis für die Materie auch größer. Man hört sich nicht nur an, was der Dozent frontal unterrichtet, sondern kann sich in einer ganz neuen Form sehr rege beteiligen, Fragen stellen, gewisse Dinge auch hinterfragen. Man bekommt nicht nur passiv etwas geliefert, sondern denkt sich auch selbst mit ein. Was die Struktur angeht, merkt man schon, dass manche Dinge noch nicht so institutionalisiert oder konsolidiert sind, aber dadurch auch weniger starr und festgefahren. Im Vergleich zu den überfüllten Hörsälen an einer großen Uni, wo die Professoren häufig unantastbar sind, gibt es hier mehr Bewegung und Interaktion.
Fühlen Sie sich in dieser neuen Situation gut betreut?
Ja. Sehr bereichernd ist außerdem die Zusammenarbeit unter den Studierenden. Man unterstützt sich gegenseitig und profitiert von den jeweils unterschiedlichenErfahrungen.
Sie haben gerade das erste Semester hinter sich. Wie fällt ihre persönliche Zwischenbilanz aus?
Es tut sich was, es bewegt sich was in meinem eigenen Denken, und das war die entscheidende Anforderung, die ich an dieses Studium gestellt habe. Ich denke und sehe gewisse Dinge anders, sehe nun Zusammenhänge und Entwicklungen. Was mir besonders gefällt sind Dozenten, die selber Journalisten sind. Zum Teil hochkarätige Journalisten, die uns aus ihrem reichen Erfahrungsfundus viele Dinge mit auf den Weg geben können. Ich finde es sehr inspirierend zu sehen: Wie machen die das, wie haben die angefangen, welche Möglichkeiten gibt es.
Der Studiengang hat sich zum Ziel gesetzt, die „Führungselite der Zukunft“ auszubilden. Ist das auch ein Anspruch, den Sie an sich selber stellen?
Nein, das beschäftigt mich nicht vordergründig. Aber ich möchte es auf keinen Fall ausschließen. Ich würde es schön finden und fände es interessant, eine Stelle mitmehr Verantwortung zu übernehmen. Und ich glaube schon, dass man hier einen Blick für Dinge bekommt, die im journalistischen Alltag – gerade im tagesaktuellenBereich – total untergehen. Der Blick für die größeren Zusammenhänge, Entwicklungen, Trends, Veränderungen.
Wie hat denn Ihr Arbeitgeber darauf reagiert, dass Sie nebenbei ein weiteres Studium aufnehmen?
Positiv, sehr positiv. Denn das zeigt doch, dass man interessiert ist, nicht stehenbleibt und weiterkommen möchte. Dass ein gewisses Engagement, Ehrgeiz und ein grundlegendes Interesse, etwas zu lernen, da sind.