Fake News: Fisch trifft auf künstliche Intelligenz mit Liebe zur Deadline

Gedanken und Reflexionen zum Auftaktmodul des NMJ-Jahrgangs mit ausgewählten studentischen Werkstattbeiträgen. (Foto: LSoM)

Über die Zukunft des Journalismus und persönliche Perspektiven

Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Die Antwort auf diese Frage hängt vor allem davon ab, wen man fragt. Erscheint die letzte gedruckte Zeitung wirklich 2034? Schreiben Computerprogramme irgendwann Kommentare und der öffentliche Diskurs ist algorithmusgesteuert? Zum Auftakt des Jahrgangs 2018-2020 des Masters New Media Journalism haben sich die Studierenden mit ihrer eigenen Zukunft auseinandergesetzt. Journalistisch natürlich.

In Einstellungsgesprächen ist es der Klassiker: "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?" Dabei geht es darum, ob die ausgeschriebene Stelle in den Masterplan des Bewerbers passt, ob er seine Karriere aktiv gestalten möchte und motiviert ist. Für Journalisten ist diese Frage schon schwieriger zu beantworten. Wer mit "regionaler Tageszeitung" antwortet, muss sich auf die Gegenfrage "Ach, die gibt es noch?" einstellen. Wer diplomatisch "Auf jeden Fall bei einem Qualitätsmedium" zum Besten gibt, erntet vermutlich einen süffisanten Blick. Und wer selbstsicher "Festangestellt, in einer Führungsposition" kontert, qualifiziert sich fürs Glossenschreiben, die Witzerubrik oder die Satirespalte – bei dem Humor.

Werkstatt-Einblick I: (N)On-Sense-Newsletter, ein monatlicher Rundumschlag für junge interessierte Münchner, verpackt in kleinen Häppchen von Christina Winkler, Studentin New Media Journalism.

Warum machst du das?

Wer heute in den Journalismus strebt oder darin schon Zuhause ist und sich weiter qualifizieren möchte, hat und braucht vor allem eines: Herzblut. Warum? Er muss es ertragen, dass er für etwas in Generalhaft genommen wird, wofür er gar nichts kann: Verlagskrisen, gemeinhin als Medienkrise tituliert. Er muss es ertragen, dass um ihn herum immer weniger Menschen Zeitung lesen, und immer mehr News über soziale Netzwerke beziehen. Im schlimmsten Fall wird er mit Lügenpresse-Anfeindungen konfrontiert. Argumente helfen da eher wenig, Emotionen bestimmen die Tonlage der Absender.

Zehn Studierende aus Deutschland und der Schweiz haben im Oktober ihr zweijähriges Masterstudium New Media Journalism an der Leipzig School of Media (LSoM) aufgenommen. Sie kommen aus der Praxis, sie glauben an den Beruf (trotz des schlechten Images). Sie sind – übrigens genauso wie die Macher des Studiengangs, das sind neben der LSoM die Akademie für Publizistik in Hamburg, die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern und die Universität Leipzig – davon überzeugt, dass Journalismus die wichtigen Aufgaben der Information, der Meinungsbildung und der Kritik und Kontrolle erfüllen muss. Gerade in politisch turbulenten Zeiten, Fake News, anhaltender Globalisierung und Digitalisierung braucht es Orientierung durch ungefilterte, sauber recherchierte, transparent dokumentierte und attraktiv aufbereitete Nachrichten. Und sie wollen etwas ändern, nämlich den Journalismus weiterentwickeln. Multimediale Gestaltung gehört dabei ebenso dazu Datenrecherche oder journalistische Ethik.

Handwerkszeug im Journalismus

Dem Trainieren dieses "Handwerkszeugs" geht eine Selbstbestimmung voran. Wo steht der Journalismus heute und wie hat er sich bis dato entwickelt? Was macht ihn zu einem so hohen Gut in der Demokratie? Welche Rolle nimmt er im öffentlichen Diskurs ein und wie kann das Publikum – wer ist das überhaupt – (besser) erreicht werden?

Viele Fragen zum Einstieg, auf die nach und nach fundierte Antworten gesucht und gefunden werden. Der Input der Studierenden und der Blick aus der Praxis ist dabei ebenso wertvoll für den Austausch. Im ersten Modul setzten sich die Studierenden deshalb journalistisch mit diesen Leitfragen auseinander und produzierten ganz unterschiedliche Formate. Und das in 60 Minuten. Viel Vergnügen bei der Lektüre! Und wundern Sie sich nicht: Aufgabe war es auch, die Begriffe "Liebe", "Fake News", "Fisch", "künstliche Intelligenz" sowie "Deadline" in den Beitrag zu integrieren. Denn auch Kreativität gehört zum Journalismus.

Werkstatt-Einblicke - Eine Auswahl

Werkstatt-Einblick II: Matthias Taugwalder - Was ist Journalismus für mich?

Werkstatt-Einblick III: Claudia Isabell Ritter - Auf der Suche nach der vierten Gewalt

Werkstatt-Einblick IV: Elisa Hipp - Warum machst du das?

Werkstatt-Einblick V: Raouf Selmi und seine Antwort auf die Frage "Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus?"

 

Autor: Dr. Tobias D. Höhn

Dr. Tobias D. Höhn ist seit 2013 Studiengangsverantwortlicher für New Media Journalism sowie Dozent verschiedener Seminare aus dem Bereich Journalismus und Public Relations. Er hat langjährige Erfahrungen in beiden Berufsfeldern. Der Medienwissenschaftler leitet das Teilprojekt „Medien und Ernährung“ in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Kompetenzcluster für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit (nutriCARD) an der Universität Leipzig.