Erfolgsgeschichten: Das machen die ersten Studierenden von New Media Journalism heute

Der erste Jahrgang des Masterstudiengangs New Media Journalism bei seiner Immatrikulation 2008. (Foto: Leipzig School of Media)

Die ersten Absolventen des NMJ-Masterprogramms arbeiten heute als Teamleiter Multimedia, Leiter für digitale Projekte oder Crossmedia-Redakteure

Wie geht es den ersten Studierenden des Masterstudiengangs New Media Journalism heute? Wie ist es beruflich für sie weitergegangen? Welche Aufgaben erfüllen sie aktuell? Wir konnten mit einigen Absolventen des ersten Studienjahrgangs von 2008 sprechen.

Jan Derrer und Samuel Reber - gleiches Unternehmen, verschiedene Karrierewege

Jan Derrer ist inzwischen Teamleiter Multimedia in der Abteilung 'Digitale Innovation' beim Tages-Anzeiger, der meist abonnierten Tageszeitung in der Schweiz. "Für diese Bruchphase der klassischen Medien ist das alles andere als ein alltägliches Stellenprofil", sagt Derrer über seine Tätigkeit. Er ist insbesondere für das Video- und Multimediateam zuständig: "Wir produzieren Videos sowie aufwändige Audio-Slideshows und bilden die Redaktion in Mobile Journalism aus, also bringen ihnen das Filmen mit Smartphones bei. Zudem entwickeln wir neue Formate und arbeiten dazu vereinzelt auch mit externen Partnern zusammen. Wir sind ein ganz kleines Team, mit einem sehr hohen Output."

Jan Derrer (l.) und Samuel Reber arbeiten gemeinsam beim Schweizer Tages-Anzeiger.

Jan Derrer (l.) und Samuel Reber arbeiten gemeinsam beim Schweizer Tages-Anzeiger.

Zudem ist Jan Derrer Projektleiter für "journalistische, digitale Spezialprojekte" und damit in der Redaktion zuständig für Longforms - also größere Reportagen, die oft mit multimedialen Mitteln arbeiten. "Dort koordiniere ich die Redaktion mit der IT und mit dem Art Director. Wir probieren neue Formate aus und entwickeln permanent eigene", berichtet Derrer, der vorher beim Schweizer Fernsehen in der Produktion und Redaktion tätig war. Sein dort erworbenes Know-how erweiterte er im Studium und qualifizierte sich damit für seinen jetzigen Job an der Schnittstelle von Journalismus und Medientechnik. "Das Studium hat sich gelohnt. Ich habe jetzt diese Stelle, weil ich New Media Journalism studiert habe", sagt er.

Samuel Reber arbeitet ebenfalls beim Tages-Anzeiger und ist dort unter anderem für das Management des Nachrichtenprozesses zuständig. Als stellvertretender Leiter Digital gehört er zum Team der sogenannten Tagesleiter: "Wir sind eine Gruppe aus leitenden Redakteuren, die den gesamten Newsfluss überwacht, die Inhalte der verschiedenen Ressorts koordiniert und entsprechend die Themen gewichtet", erzählt Reber.

Bereits kurz vor dem Studium ist er als Nachrichtenchef beim Newsnetz von Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Berner Zeitung eingestiegen und hat trotz der Doppelbelastung von Studium und Beruf vom Master profitiert: "Die Module waren sehr interessant und haben mein Wissen teils deutlich erweitert", sagt Reber. Dieses Wissen gab er der nachfolgenden Journalistengeneration weiter - als Dozent an der Schweizer Journalistenschule MAZ und an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

New Media Journalism meets Banking

Dass man mit einem Abschluss in New Media Journalism nicht nur im Journalismus arbeiten kann, belegt Tobias Wehr. "Ich nehme eine komplett andere Funktion wahr, die keinen Bezug zum Journalismus hat", erzählt der langjährige UBS-Mitarbeiter. Bei der Großbank war der studierte Wirtschaftsinformatiker zunächst im Controlling tätig, entschied sich jedoch bewusst für das fachfremde Studium. Aktuell ist er Business Analyst in der Bank. Zu seinen Aufgaben zählen die Analyse, Bewertung und Betreuung von Geschäftsprozessen und -modellen.

Was das mit dem Studiengang zu tun hat? "Ich habe gelernt, wie ich empfängergerecht mit unterschiedlichen Zielgruppen kommuniziere. In meiner jetzigen Funktion stellt sich ständig die Frage nach dem richtigen Kommunikationsmedium, der angemessenen Frequenz und dem passenden Detailierungsgrad", sagt Tobias Wehr. Zudem bewertet er das branchenfremde Studium als eine gute Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen, wertvolle Kontakte zu knüpfen und Freundschaften zu schließen. "Auch mit dem Abstand von einigen Jahren betrachtet, bin ich sehr zufrieden mit meiner Entscheidung New Media Journalism studiert zu haben", bilanziert Wehr.

Roman Vilgut - "Die Zeit der Einzelkämpfer-Journalisten ist vorbei"

Zurück zum Journalismus: Roman Vilgut hat vor Beginn seines Masterstudiums als sogenannter Freier Dienstnehmer gearbeitet - einer österreichischen Sonderform, die Elemente der Selbständigkeit und der Festanstellung aufweist. Tätig war er bei der Online-Ausgabe der Kleinen Zeitung, die entgegen ihrem Namen die zweitgrößte Tageszeitung Österreichs ist. "Die Kleine Zeitung hat eine total integrierte Struktur", erzählt Vilgut, der mittlerweile als fester Redakteur im Wirtschaftsressort arbeitet. "Dort gibt es heute keine Trennung mehr zwischen Online und Print. Ex-Onliner schreiben Print-Artikel, Ex-Printler machen Ressort-Online-Dienste. Die Arbeit hat sich komplett gewandelt", sagt Vilgut. Diesen Change-Prozess hat er nicht nur miterlebt, sondern aktiv begleitet: "Ich habe bei etlichen Arbeitsgruppen mitgewirkt, da mein Fachwissen und mein verschränktes Denken sehr geschätzt werden."

Gelohnt habe sich das Masterstudium aber vor allem, weil sich seine Sicht auf den Job gewandelt habe: "Ich kenne die Möglichkeiten, die crossmediales Arbeiten bringt. Und ich erkenne die Grenzen", sagt Roman Vilgut. Hiervon zeugt etwa sein Versuch, einen Artikel für mehrere Mediengattungen wie Video, Online oder Print in annehmbarer Qualität allein zu produzieren. "Die klare Antwort: das funktioniert nicht", so Vilguts Erfahrung. Er ist hingegen überzeugt: "Multimedial erzählte Geschichten können nur von einem Team gestaltet werden. Die Zeit der Einzelkämpfer-Journalisten ist vorbei".

Christian Liechti - "Man muss mehrere Kanäle beherrschen"

Dass crossmediale Kenntnisse und Fähigkeiten bei aller Teamarbeit äußerst gefragt sind, zeigt der Fall von Christian Liechti. Er arbeitet aktuell beim Radio SRF, Regionaljournal Bern Freiburg Wallis als Redakteur: "Von der Berner Zeitung bin ich zum Radio gewechselt, weil das Regionaljournal explizit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchte, die online ausgebildet sind", schildert er. Lichti, früher für ein Print-Medium tätig, hat seine multimedialen Kenntnisse und Fähigkeiten im Studium ausbauen können: "Nun habe ich das Wissen, um gemeinsam mit meinen Kollegen geschriebenes Wort, Bild, Ton und Video auf dem Portal von srf.ch zu produzieren und zusammenzuführen."

Als weiteren positiven Aspekt erwähnt Christian Liechti die breit angelegte Ausbildung, die ihm neue Türen geöffnet hat. "Meine Chancen auf dem Jobmarkt sind gestiegen und die die erlernten Fähigkeiten kann ich heute im Berufsalltag sehr gut einsetzen."

Zum Wintersemester 2015/15 beginnt der neue Jahrgang des Masterstudiengangs New Media Journalism sein Studium. Derzeit läuft die Bewerbungsphase für das Masterprogramm.