Google – (k)ein Medienunternehmen?

Studierende des internationalen Masterstudiengangs New Media Journalism besuchen Google in Zürich. Die Skype-Präsentation von Isabelle Sonnenfeld, Leiterin des Google News Lab warf die Frage auf: "Ist Google ein Medienunternehmen?"(Foto: LSoM)

Autor: Michael Geffken (Direktor der Leipzig School of Media)

Am 25. August war ich mit den Studierenden des Studiengangs New Media Journalism zu Besuch bei Google in Zürich. Isabelle Sonnenfeld, Leiterin des Google News Lab, war via Skype zugeschaltet und präsentierte die Aktivitäten und Angebote, die Google für Journalisten und Medienunternehmen vorhält. Sie sagte, dass Google sich nicht als Medienunternehmen verstehe – auch nicht mit diesen konkurriere –, sondern "nur als Enabler" für Medienunternehmen auf der Grundlage von Tools zur Unterstützung von Journalisten.

Google versteht sich lediglich als "Enabler" für Medienunternehmen. (Foto: LSoM)

Nach dem Skype-Vortrag keine Zeit mehr für eine ausführliche Diskussion; daher hier einige Anmerkungen zum Thema:

  • Google konkurriert sehr wohl – wenn man die Konkurrenzsituation aus der Perspektive "Geschäftsmodell" bzw. "Erlösquellen" betrachtet – mit Medienunternehmen: Die Erosion der Werbeeinnahmen der (Print-)Medienhäuser geht ganz wesentlich auf die entsprechenden Angebote von Google (zum Beispiel Adsense und Adwords) und Facebook zurück. Kein Vorwurf an Google – die Medienhäuser haben es (bisher) nicht geschafft, ihr duales Modell, den Verkauf von Inhalten und Werbeplätzen, den Bedingungen digitaler Kommunikation anzupassen.
  • Google berücksichtigt bei seiner Selbstbeschreibung wohlweislich nicht, dass die klassischen Medien längst nicht mehr die Monopolisten der öffentlichen Kommunikation sind; die beiden Hauptfunktionen herkömmlicher Medien – Nachrichtenvermittlung und Diskursplattform – werden längst auch im Social Web, von Bloggern oder auf Websites von Organisationen und Unternehmen erfüllt; nicht im normativen Sinn (also frei von einer Bindung an spezifische Interessen), aber im funktionalen Sinn. Auf diesem Feld – Social Web, Blogs, Websites – sind die Google-Tools "Enabler" der Absender interessengebundener Kommunikation (zum Beispiel über das Instrument "Content Marketing").
  • Plattformen aggregieren, organisieren, strukturieren und kanalisieren Informationen – nicht zuletzt abgeleitet aus dem Nutzerverhalten. Man steuert die Inhalte zu, von denen man meint, dass sie den Nutzer interessieren könnten. Google verändert also – zusammen mit Facebook und anderen Plattformen – mit seinen Angeboten und Tools sowohl Struktur als auch die Inhalte öffentlicher Kommunikation erheblich; nicht durch Bereitstellung von konkreten Inhalten oder durch Einfluss auf konkrete Inhalte, sondern durch die Strukturierung und Kanalisierung von Informationen und durch das Aufbrechen des Kommunikationsmonopols klassischer Medien.
  • In der Folge sind neue monopolartige Strukturen entstanden (Suche = Google, Video = YouTube), die durch ihre – wenig transparenten – Algorithmen sowie durch die Auswahl ihrer Angebote und Tools durchaus Schwerpunkte zukünftiger Berichterstattung (mit)konfigurieren können. Deutlich wird dies zum Beispiel beim Google News Lab, wo ein Schwerpunkt wie "Inclusive Storytelling" über die Hilfestellung für Journalisten hinaus einer – in diesem Fall durchaus ehrenwerten – gesellschaftspolitischen Agenda folgt.

Fazit: Wenn man das Feld der öffentlichen Kommunikation in seiner Gesamtheit betrachtet, dann kann man konstatieren, dass Google die Struktur und die Inhalte der gesellschaftlichen Informationsströme und des gesellschaftlichen Diskurses wesentlich mitgestaltet. Was dies für eine ganzheitliche Medienregulierung jenseits der klassischen regulierungs- und kartellrechtlichen Fragen bedeutet, muss man intensiver als bisher diskutieren; dies wohlgemerkt nicht, um Google-Bashing zu betreiben, sondern als Diskussion über den Einfluss der großen Portale auf Kultur und Gesellschaft.