Medienethik: Wie gehen Medienhäuser mit Trollen und Hasskommentaren um?

New-Media-Journalism-Studierende untersuchen im Rahmen eines Praxisprojekts, wie Medienhäuser auf Trolle und Hasskommentare reagieren. (Bild: Akademie für Publizistik)

Die Behauptung, in den Diskussionsforen des Internets, den Kommentarthreads bei Facebook oder in der Konversation auf Twitter herrsche ein rauher Ton, kann als Untertreibung des Jahrhunderts gelten. Geht es um Israel, um Flüchtlinge oder den Islam, also um politisch aufgeladene Themen, ernten Andersdenkende im besten Fall Häme und Zynismus. Im Normalfall sind es eher Beleidigungen, Hasskommentare, Obszönitäten oder Gewaltandrohungen.

Medienhäuser mit ihren Facebookseiten und Twitteraccounts sind da in einer Zwickmühle: Sie brauchen die Reichweite zur Verbreitung ihrer Inhalte, die ihnen nur die sozialen Medien bieten können. Und jeder Klick auf eine Seitenvorschau ist Geld wert. Weg von Facebook, raus aus Twitter ist darum keine Option. Also müssen Zeitungen, Magazine und Rundfunksender Social Media-Redakteure und Community-Manager abstellen, die den nie versiegenden Strom an Unrat filtern, sortieren, moderieren - und im Zweifelsfall auch löschen. Oder anzeigen.

Vor vier Jahren hat erstmals eine Gruppe von NMJ-Studierenden die Kommentarkultur im Internet und in den sozialen Medien untersucht („Kommentarfunktionen im journalistischen Umfeld“, 2013). Inzwischen hat sich viel verändert. Der Ton ist noch schärfer geworden. Populistische und extremistische Parteien haben Facebook als preisgünstigen Weg entdeckt, um ihre Botschaften unter die Leute zu bringen, die Diskussionen zu dominieren und ihre Kampfbegriffe als Standard zu setzen. Im Gegenzug haben Redaktionen Wortfilter entwickelt, um die Flut der Hasskommentare noch kontrollieren zu können. Und die alte Utopie vom Internet als dem Raum des herrschaftsfreien Diskurses gleichberechtigter Individuen scheint sich noch ein paar Lichtjahre weiter von der Erde entfernt zu haben.

Zeit, mal wieder einen neuen Blick auf die Kommentarkultur zu werfen. Der aktuelle Jahrgang NMJ hat sich das zur Aufgabe gemacht, im Rahmen des Hamburger Moduls zur Internationalen Multimedia-Ethik. Drei Tage lang hat die Gruppe mit Unterstützung des Dozenten Dr. Christian Sauer und des Autors und Journalisten Wolfgang Michal über Themen und Ideen gebrütet, in den kommenden acht Wochen entsteht ein Projekt, das hauptsächlich über die sozialen Medien verbreitet werden und in ihnen wirken soll.

Unter anderem wollen die Studierenden untersuchen, welche Strategien Medienhäuser im Umgang mit Trollen und Hasskommentaren entwickelt haben. Sie werden ein Handbuch mit Tipps und praktischen Ratschlägen für Social Media-Redakteure entwickeln. Sie wollen versuchen, mit aggressiven Kommentatoren ins Gespräch zu kommen. Sie werden analysieren, ob Counterspeech-Gruppen wie #ichbinhier die Kommentarkultur respektvoller gestalten können. Und sie wollen prüfen, ob Humor und Sarkasmus wirksame Werkzeuge in der Auseinandersetzung mit Trollen sein können.

Autor: Kai Voigtländer

 

Der Masterstudiengang New Media Journalsm startet jährlich im Oktober. Studieninteressierte können sich bis zum 15. August eines jeden Jahres bewerben. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Das Programm kombiniert Präsenz- und Selbststudienphasen. Der Präsenzunterricht findet in der Regel einmal im Monat von Donnerstag bis Samstag abwechselnd in Leipzig, Hamburg, Salzburg sowie in Luzern statt. Der von der Universität Leipzig verliehene akademische Grad „Master of Arts“ ist international anerkannt.