Mobile Internetnutzung beschleunigt Journalismus

Simon Hutmacher, Absolvent des Studiengangs New Media Journalism, untersuchte in seiner Masterarbeit die Auswirkungen der mobilen Internetnutzung auf journalistische Produkte sowie die Arbeitsweise von Journalisten (Foto: Hutmacher)

Infolge der steigenden mobilen Internetnutzung berichten Journalisten heute offenbar schneller und multimedialer als früher. Zu diesem Ergebnis kommt Simon Hutmacher, Absolvent des Masterstudiengangs New Media Journalism, in seiner Abschlussarbeit mit dem Titel „Journalism just got mobile“. Der technologische Wandel samt der Entwicklung des Smartphones zum Alltagsgegenstand habe deutlichen Einfluss auf den Journalismus. Die Folgen seien „allerdings nicht überall so, wie das aufgrund vorhandener Theorien zu erwarten wäre“, schreibt Hutmacher.

Die Forschungsergebnisse basieren auf einer Inhaltsanalyse, bei der Simon Hutmacher vier Online-Nachrichtenportale aus der Deutschschweiz untersuchte, sowie auf Experteninterviews mit jeweils zwei Journalisten dieser Medien. Analysiert wurden die digitalen Angebote von 20 Minuten, Blick, Neuer Zürcher Zeitung, Schweizer Rundfunk und Fernsehen (SRF), Tagesanzeiger und Watson. Die für die mobile Nutzung produzierten Inhalte der Portale wurden lediglich zu einem einzigen Zeitpunkt untersucht, nämlich am Tage der Zürcher Kantons- und Regierungsratswahlen im April 2015.


Informationen werden häppchenweise gesendet

Aufgrund der räumlichen Beschränkung, der kleinen Stichprobe und der Konzentration auf ein einzelnes Ereignis, kann die Erhebung zwar keine allgemeingültigen Antworten geben. Dennoch liefern die Ergebnisse interessante Fingerzeige. Denn Simon Hutmacher widerlegt einige Hypothesen, die unter Journalisten und Medienwissenschaftlern als relativ gesichert galten. So fand er heraus, dass Online-Berichte durch den Siegeszug des Smartphones nicht kürzer werden – die Informationen werden lediglich anders portioniert. Alle sechs untersuchten Medien boten während des Wahltages zum Beispiel Liveticker für die mobilen Nutzer an. Zudem versendeten die Journalisten häufig Push-Nachrichten. Hutmacher schreibt dazu: „Es kann also der Schluss gezogen werden, dass die einzelnen Publikationen wie Push-Nachrichten oder Ticker-Einträge tatsächlich kürzer werden – durch den ständigen Fluss in der Gesamtheit die Textmenge aber nicht abnimmt.“


Vielfalt der Medienformate erhöht die Anforderungen an Journalisten

Push-Nachrichten, Ticker und eine sich aus vielen einzelnen Inhaltselementen zusammensetzende Berichterstattung sind insgesamt kennzeichnend für den mobile-ausgerichteten Journalismus, dessen Wesen vor allem durch Geschwindigkeit bestimmt wird. Informationen, und seien sie auch noch  unvollständig, müssen sofort zum Nutzer, damit dieser wiederum das Gefühl bekomme, live dabei zu sein. „Der Zeitdruck und das Tempo haben für Journalisten deutlich zugenommen“, bilanziert Simon Hutmacher, der derzeit für die Sendung „Schweiz aktuell“ beim SRF arbeitet. Neben der Geschwindigkeit nimmt auch die Komplexität zu, weil die Journalisten darüber hinaus verschiedene Medienformate einsetzen (müssen). Die untersuchten Medien flankierten ihre Berichterstattung nicht nur mit Live-Tickern, sondern auch mit Tweet-Einbindungen, Videos und Grafiken.


Journalisten vertrauen auf Redaktionssysteme und auf spezialisierte Kollegen

Angesichts dieser Herausforderungen ist es überraschend, dass die von Simon Hutmacher befragten Journalisten überzeugt sind, im Mobile-Zeitalter keine erweiterten Fähigkeiten zu benötigen. Die Content-Management-Systeme seien inzwischen stark weiter entwickelt worden und derart flexibel, dass die Inhalte relativ einfach für die verschiedenen Verbreitungskanäle aufbereitet werden könnten. Für Video, Audio oder interaktive Elemente würden Spezialisten beschäftigt. Als Nachrichten-Journalist brauche man für alles ein Grundverständnis, müsse aber kein Alleskönner sein.


Ist die Push-Nachricht der Weisheit letzter Schluss?

Vor dem Hintergrund des Ausblicks, den Simon Hutmacher zum Schluss seiner Arbeit gibt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Journalisten die Entwicklung unterschätzen. Denn der Journalismus für das mobile Zeitalter entsteht laut Hutmacher gerade erst – daher auch der Titel der Arbeit. Welche Folgen hat das Internet der Dinge auf den Journalismus? Werden sich Wearables wie Smartwatches oder interaktive Brillen durchsetzen? Und welche Medienformate ermöglichen die kommenden mobilen Kommunikationsgeräte? All dies ist kaum abzuschätzen. Genauso wenig lassen sich Vorhersagen darüber treffen, wie sich Nutzer zukünftig verhalten. Werden sie die Push-Nachrichten, die von den Journalisten so gerne genutzt werden, irgendwann genervt abbestellen? Für den Journalisten bedeuten diese Unsicherheiten laut Hutmacher vor allem dieses: „Die Anforderung an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit wird aufgrund der erwarteten Szenarien mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter steigen.“


Masterarbeit kann als PDF heruntergeladen werden

Die vollständige Masterarbeit von Simon Hutmacher können Sie auf der Website der Leipzig School of Media im Bereich des Studiengangs New Media Journalism herunterladen.

Für den berufsbegleitenden Masterstudiengang können sich Interessierte übrigens noch bis 30. September 2016 bewerben. Dies gilt ebenfalls für das berufsbegleitende Masterprogramm Mobile Marketing, in dem Spezialisten für die Kommunikation mit Smartphones, Tablets & Co. ausgebildet werden.