New Media Journalism liefert „essentielle Antworten auf brennende Fragen“

Palina Milling, Absolventin des internationalen Masterstudiengangs "New Media Journalism" an der Leipzig School of Media (Foto: privat)

Der internationale Masterstudiengang New Media Journalism (NMJ) geht im Oktober in die nächste Runde. Die Herausforderungen in der Medienbranche sind so vielfältig wie unsere Absolventen, von denen wir einige vorstellen möchten. Dieses Mal: Palina Milling (NMJ-Jahrgang 2011). Nach einem Germanistik-Magisterstudium in Minsk arbeitete sie unter anderem für die Nationale Staatliche Fernseh- und Rundfunkgesellschaft Weißrusslands und als Dozentin für deutsche Sprache. Derzeit arbeitet sie beim Westdeutschen Rundfunk. „Beste Voraussetzungen, die Erkenntnisse aus dem Studium anzuwenden. Das Studium hat mein Verständnis für Journalismus im digitalen Zeitalter entscheidend geprägt“, sagt sie.

Wer journalistisch arbeiten möchte, der sollte …

… neugierig, hartnäckig, flexibel sein. Sich auf ständige Veränderungen einstellen. Und sich von der Erwartungshaltung verabschieden, die Rezipienten würden die Geschichte schon irgendwie finden/lesen/schauen. Die Journalisten werden immer mehr zu Informationsdienstleistern: Sie müssen nicht nur eine gut recherchierte Story liefern, sondern sie auch den Nutzergewohnheiten der Rezipienten und dem Verbreitungskanal anpassen.

Warum hast du dich für New Media Journalism entschieden?

Mein Studium ist schon ein bisschen her, angefangen habe ich 2011. In den Redaktionen schien sich damals eine aufgeregte bis panische Ratlosigkeit breit zu machen: Was machen wir in diesem Internet? In Social Media? Und wie? Ich wollte nicht mit Panik und Ratlosigkeit jeden Arbeitstag beginnen. Ich wollte wissen, wie es geht. Deswegen habe ich mich bei NMJ beworben. NMJ war der einzige Studiengang, der zeitgemäße Antworten auf diese Fragen lieferte. Innovative Antworten und aus einer internationalen Perspektive. Meines Wissens ist es immer noch der einzige.

Was hat dir das Studium gebracht? Wie hat sich dein Berufsweg seither entwickelt?

Das Studium hat mein Verständnis für Journalismus im digitalen Zeitalter entscheidend geprägt. Denn Journalisten und Medienunternehmen kämpfen mit vielen Problemen: Mehrere Distributionskanäle für unterschiedliche Publikumssegmente bedienen, mehr Workload oft mit weniger Personal meistern, das Angebot und gleichzeitig die Strukturen umbauen, hochwertigen Journalismus leisten ohne bestandsfähige Bezahlmodelle. DIE Lösung für diese Gemengelage gibt es nicht, aber es gibt einige Ansätze und die richtige Herangehensweise. Die hat mir das Studium vermittelt. Seit meinem Studium habe ich vom privaten Radio zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen gewechselt. Und dann ins Programmvolontariat beim WDR, bei dem immer mehr crossmedial gearbeitet wird – beste Voraussetzungen, die Erkenntnisse aus dem Studium anzuwenden.

Welche Marktlücke siehst du im Journalismus?

Das Potenzial von Datenjournalismus ist wenig ausgeschöpft. Aus Print und Online verschwinden gut recherchierte lokale Geschichten, die mehr berichten als über den Schützenfest oder Unfälle auf der Landstraße. Außerdem: Über hier und jetzt zu berichten ist wichtig; wichtiger geworden ist, Zusammenhänge hinter dem Hier und Jetzt aufzuzeigen, Komplexität und Ursächlichkeit zu erklären.

Deine Liebeserklärung an Leipzig, Hamburg, Luzern oder Salzburg in 140 Zeichen!

Es geht auch kürzer: BEST!

Welche Inhalte des Studiums kommen dir heute am meisten zugute?

Berichterstattung für Crossmedia planen und realisieren, Online-Recherche und Quellencheck, Mobile Reporting, Change Management.

Was sind deine Zukunftspläne?

Noch viele gute Geschichten zu veröffentlichen. Natürlich crossmedial. Und den Wandel Richtung Crossmedia im Medienunternehmen, wo ich arbeite, mitzugestalten.

Berufsbegleitend studieren ist wi…

… zwei Fahrräder gleichzeitig schieben. Eins mit der linken Hand, eins mit der rechten. Klappt über weite Strecken gut, dass sie parallel laufen. Und dann kollidieren sie doch noch.

Was war das Thema deiner Masterarbeit? Deine Lehre daraus?

Ich habe über den redaktionellen Workflow am trimedialen Newsdesk am Beispiel des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) geschrieben. Eine prägende und erkenntnisreiche Erfahrung. Die Kollegen am trimedialen Newsdesk waren die ersten, die so ein Arbeitsmodell gewagt und erfolgreich etabliert haben. Meine Lehre daraus: Crossmedia bedeutet vor allem Kommunikation und Zusammenarbeit. Und das heißt, dass sich keiner hinter seiner Bürotür verstecken darf und nach dem Muster „wie wir das schon immer gemacht haben“ arbeitet. Das tut man beim MDR nämlich nicht, und das ist auch super so.

Dein Rat an NMJ-Interessenten und -Bewerber sowie die Verantwortlichen des Studiengangs?

NMJ-Interessenten rate ich, aufs Privatleben zu verzichten. Im Ernst: Plant Euch Zeit für dieses Studium ein! Es ist fordernd, es ist fördernd, es ist sehr anspruchsvoll, und man will 100 Prozent geben (richtig so!) Ich wollte mich permanent noch mehr einlesen, noch mehr reflektieren, mich noch besser auf die Präsenzzeiten vorbereiten. Und diese Zeit muss da sein: Denn NMJ-Studierende haben das Privileg mit erstklassigen Dozenten im Austausch zu sein. Da hat jeder die Chance auf eine sehr fundierte Antwort und sehr kompetente Diskussion. Davon zehre ich bis heute. NMJ-Verantwortlichen lege ich ans Herz für dieses Studium prominenter zu werben. Es ist in der Medienbranche leider wenig bekannt, obwohl es essentielle Antworten auf brennende Fragen liefert. Ich muss oft viel erklären, was ich alles in diesem Studium gelernt habe und kann, und der Studiengang ist so gut wie keinem ein Begriff. Das ist extrem schade, denn NMJ verdient ein ausgezeichnetes Renommee und allseitige Bekanntheit.

Würdest du noch mal NMJ studieren?

Ja. Auf jeden Fall.