New Media Journalism: Studierende besuchen Mitteldeutschen Rundfunk

Studierende des Masterprogramms New Media Journalism (Jahrgang 2014) tauschen sich mit Michael Naumann (Mitte) und weiteren Mitarbeitern am trimedialen Newsdesk des MDR aus. (Foto: Leipzig School of Media)

In Medienunternehmen, die dauerhaft erfolgreich bleiben wollen, müssen Journalisten aus den Bereichen TV, Audio, Print und Online ihre Kompetenzen bündeln. Dies ist die zentrale Erkenntnis einer Exkursion zum Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), die am vergangenen Donnerstag der neue Jahrgang des berufsbegleitenden Masterstudiengangs New Media Journalism unternommen hat. "Der MDR muss sich selbstverständlich auch Gedanken machen, wie er sich strukturiert, um in 20 Jahren noch relevant zu sein", sagte Michael Naumann, Referent des MDR-Chefredakteurs, während der Führung durch die Leipziger Sendezentrale und präsentierte dabei ein wichtiges Ergebnis dieser Überlegungen: den trimedialen Newsdesk (TND).

Auf den ersten Blick ist der TND sehr unscheinbar. Zu sehen sind sieben Arbeitsplätze auf relativ kleinem Raum, ein großer Bildschirm mit den Überschriften der aktuell laufenden Beiträgen auf MDR-Info oder auch eine Pinnwand mit den Telefonnummern der ARD-Korrespondenten in aller Welt - so ähnlich sieht es in vielen Redaktionsstuben aus. Doch der TND löste im MDR vor gut drei Jahren eine Revolution aus. Gegen teils erhebliche Widerstände von Mitarbeitern richtete der öffentlich-rechtliche Sender ihn Ende 2011 als Kontenpunkt ein, um die Inhalte des MDR crossmedial sowie redaktionsübergreifend zu planen und zu koordinieren. Heute sehen ihn nicht nur die Verantwortlichen als großen Erfolg. Ressourcen konnten eingespart und besser verwendet werden, Prozesse haben sich vereinfacht und die Kollegen profitieren voneinander.

Georg Maas, Leiter der Hauptabteilung Telemedien des MDR, beantwortet Fragen der NMJ-Studierenden (Foto: Leipzig School of Media)

Georg Maas, Leiter der Hauptabteilung Telemedien des MDR, beantwortet Fragen der NMJ-Studierenden (Foto: Leipzig School of Media)

"Dass sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Redaktionen oder gar unterschiedlicher Gattungen miteinander absprechen, klingt heute völlig selbstverständlich, war es aber vor ein paar Jahren nicht", erklärte Michael Naumann. Im Gegenteil: Redaktionen pochten auf ihre Autonomie, wollten ihre Recherchen exklusiv veröffentlichen; Pressekonferenzen wurden häufig doppelt oder dreifach besetzt. Heute greift ein Rad ins andere. Rechercheergebnisse werden geteilt. Konkrete Beispiele: Der Hörfunkjournalist macht Bilder für die Onlineseite, der Fernsehjournalist stellt seine Audiospur dem Radiomacher zur Verfügung und wenn etwas online tagsüber gut geklickt wird, legt die TV-Redaktion bei dem Thema abends noch eine Schippe drauf. Abgesprochen wird all dies auf kurzem Weg am TND.

Diese Zusammenarbeit bedeutet allerdings nicht, dass jeder Redakteur nun alles können muss, betonen die MDR-Verantwortlichen: "Wir brauchen Spezialisten. Ich glaube nicht, dass jemand auf allen Gebieten gleichzeitig sehr gute Leistungen erbringen kann", sagte Georg Maas, der die NMJ-Studierenden anschließend noch durch die von ihm geleitete Hauptabteilung Telemedien (u.a. MDR-Online) führte. "Wenn ein Verständnis für den Kollegen, für die andere Mediengattung vorhanden ist, haben wir schon viel gewonnen."