Online-Kommentare: Wochenzeitung „Die Zeit“ gelingt Umgang am besten

„Trotz dem Troll“: Studierende des Masterprogramms New Media Journalism untersuchen das Phänomen aggressiver Online-Kommentare und veröffentlichen Ergebnisse auf Website. (Bild: Screenshot)

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ geht im Vergleich mit anderen deutschsprachigen Medien am besten mit Nutzer-Kommentaren auf ihrer Internetseite um. Zu diesem Ergebnis kommen Studierende des internationalen Masterstudiengangs New Media Journalism in einer Analyse. Die Studenten untersuchten das Phänomen aggressiver Online-Kommentare darüber hinaus aus weiteren Perspektiven. Das Resultat ist jetzt auf der  Website "Trotz dem Troll" zu sehen.

Welches Medienhaus in Deutschland, Österreich und der Schweiz handhabt Nutzer-Kommentare auf dem eigenen Online-Portal am besten? Dies war eine Frage, die sich die acht Teilnehmer des berufsbegleitenden Masterprogramms New Media Journalism gestellt haben. Laut ihrer Analyse ist der Umgang der „Zeit“ vorbildhaft, unter anderem weil die Redakteure aktiv in Diskussionen eingreifen und ihr Vorgehen stets begründen, etwa beim Löschen eines Kommentars. Elf von 15 Punkten in der Gesamtwertung sind der Lohn für die Hamburger Wochenzeitung.

Viel Luft nach oben

Alle anderen untersuchten Medien – darunter die Tagesschau, Spiegel-Online, die NZZ oder der ORF – erhielten hingegen nur durchschnittliche oder unterdurchschnittlich Bewertungen. Oftmals fehlt es in den Foren und Kommentarspalten an einer Moderation. Auf einigen Nachrichtenseiten sind nur einzelne Themen für Kommentierungen freigeschaltet. Auch umständliche Registrierungsverfahren sorgten für schlechte Bewertungen. Alle Ergebnisse dieses Vergleichstests sind ab sofort auf der Website "Trotz dem Troll" nachzulesen.

Nutzer selbst kommen zu Wort

Die Seite bietet allerdings noch viele weitere Informationen. Die Studierenden befragten zum Beispiel mehrere Experten zum Thema Hasskommentare. Zu Wort kommen etwa Birgit Leitner-Telser, Leiterin der Online-Community des ORF, oder Alex Urban, Sprecher der Initiative #ichbinhier, die gegen Hasskommentare bei Facebook mobilmacht. In einem Audio-Podcast äußert sich der Schweizer Philosoph und Autor Yves Bossart zum Sinn von Diskussionsforen. Drei sogenannte „Heavy User“ von Online-Kommentarspalten bringen in einem weiteren Beitrag ihre Sichtweise ein.

Medienethisches Thema

Das Gesamtprojekt entstand im Rahmen des Moduls „Medienethik“ des Masterstudiengangs New Media Journalism (NMJ). Die Teilnehmer, die selbst als Journalisten für verschiedene Medienhäuser im deutschsprachigen Raum arbeiten, wollen den Wandel in ihrem Berufsfeld mit dem Projekt unterstützen. In einer Art Leitartikel zum Thema schreibt NMJ-Student Stephan Agnolazza: „Wer sich dazu entscheidet, eine Diskussionsplattform anzubieten, tut gut daran, sie auch zu pflegen.“

Das Masterprogramm New Media Journalism

NMJ ist ein gemeinsames Angebot der Leipzig School of Media, der Akademie für Publizistik in Hamburg, des Kuratoriums für Journalistenausbildung in Salzburg sowie der Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern in Kooperation mit der Universität Leipzig.

Der berufsbegleitende Masterstudiengang für angehende Crossmedia-Journalisten startet erneut zum kommenden Wintersemester. Interessierte, die sich bis Ende März bewerben und bis Ende April ihren Studienvertrag unterschreiben, erhalten einen Frühbucherrabatt in Höhe von 10 Prozent.

Gern können Sie sich mit Fragen jederzeit an uns wenden.