Technik darf nicht zum Bremsklotz werden

Angesichts des digitalen Wandels müssen Fachkräfte aus der Medien- und Marketingbranche in den kommenden Jahren die Courage haben, Grenzen zu überschreiten und Experimente zu wagen. So lautet der Tenor einer Expertenrunde, die am vergangenen NMJ-Studienwochenende (14. März) an der Leipzig School of Media diskutierte. "Unternehmen brauchen in diesen Zeiten beispielsweise auch den Mut, ihr eigenes Geschäftsmodell zu zerstören und neue Wege zu gehen, ehe jemand anderes kommt und dies tut", sagte Christian Bollert, Geschäftsführer des Leipziger Internetradiosenders "Detektor.fm".

Der Umgang mit neuen Technologien, insbesondere im Bereich mobiler Endgeräte, stellt hierbei eine der zentralen Herausforderungen dar, sollte bei konkreten Vorhaben aber nicht zum Bremsklotz werden. "Wir reden viel zu viel über Technik, Bildschirmgrößen und Weiteres. Das ist der falsche Weg", sagte Bollerts Geschäftspartner Marcus Engert, der bei dem mehrfach mit Preisen ausgezeichneten Sender das Programm verantwortet. Stattdessen müssten sowohl Journalisten als auch Marketer sich heute überlegen, was sie der Öffentlichkeit auf welchen Wegen erzählen wollen - bei der Umsetzung der Idee könnten dann Fachleute mit dem nötigen technischen Know-how dazu geholt werden.

Aus Sicht der Unternehmenskommunikation stimmte Julia Pirlich, Sprecherin des Leipziger Porsche-Werks, dieser Herangehensweise zu: "Das Wichtige ist, an die eigenen Inhalte zu glauben. Es geht um das Schaffen von Interesse, der Verbreitungsweg ist eine nachgeordnete Frage." Allerdings sei das Marketing in den vergangenen Jahren immer komplexer geworden. Neue kleine Vermarkter verdrängten zunehmend mit spezialisierten Angeboten größere Mitbewerber.

Zu dieser Einschätzung passte der Besuch von Jascha Samadi, Geschäftsführer des Vermarkters "Apprupt", der sich auf mobiles Marketing fokussiert hat. In seinem Vortrag machte Samadi deutlich, dass die mobile Werbung und mithin sämtliche Medienangebote auf mobilen Endgeräten erst am Anfang einer Entwicklung stehen. Derzeit würden alte Gewissheiten und Formate aus dem Online-Marketing in den mobilen Bereich übertragen, ohne die neuen Möglichkeiten der Technik einzubeziehen. "Vieles, was wir momentan auf Smartphones oder Tablets sehen, ist Massenware ohne Experimente, also beispielsweise ein einfacher statischer Onlinebanner. Den schaut keiner an und alle sind genervt", sagte Samadi.

"Wir müssen neu darüber nachdenken, wie wir Werbung und Inhalte präsentieren", sagte auch Michael Luda, Geschäftsführer von Bastei Media, einem Tochterunternehmen für digitale Projekte des Verlags Bastei Lübbe. Luda stellte das crossmediale Projekt "Undercover" vor, das sein Unternehmen gemeinsam mit "Detektor.fm" im Herbst dieses Jahres starten möchte. Dabei soll die Geschichte eines Journalisten erzählt werden, der eine Verschwörung aufdeckt. Das Besondere: Das Publikum kann dem Verlauf zugleich über Radio, Fernsehen und Internet folgen und sich interaktiv beteiligen. Realität und Fiktion sollen dabei verschwimmen.